Kontrast umkehren

NEWBEGINNINGS

Installation, Malerei, Zeichnung
21. März - 26. April 2026
Tanja Hehmann, Hamburg

Das Gebäude des Kunstvereins Rotenburg hat im Laufe seiner Geschichte eine bemerkenswerte Wandlung erfahren: Aus dem ehemaligen Schlauchturm der Freiwilligen Feuerwehr wurde ein Kunstort, der sich ungewöhnlich über vier Etagen erhebt. Einst hingen hier die Feuerwehrschläuche zum Trocknen von oben nach unten.
Heute nehmen wir die Bewegung des Turmes eher als eine wahr, die nach oben weist – sei es durch Fotografien, welche die sich verjüngende Spitze des 24 Meter hohen Bauwerks vor blauem Himmel zeigen, oder durch die 122 Stufen, die den Aufstieg Etage für Etage beschwerlicher machen. Subtil lenkt die Schwerkraft unsere Wahrnehmung.
Die Werke von Tanja Hehmann aus der Serie NEWBEGINNINGS bestehen aus großformatigen, bearbeiteten Aluminiumrahmen, die ursprünglich in einer Stoffmanufaktur für den Siebdruck verwendet wurden. 2022 konnte die Hamburger Künstlerin ein großes Konvolut dieser Rahmen vor der Zerstörung retten und erforscht seither ihre künstlerischen Möglichkeiten. Das Werkzeug wird zum Kunstwerk, das Material erfährt eine neue Bestimmung und einen Neuanfang – eine Parallele zum ehemaligen Schlauchturm. Auch inhaltlich kreisen Hehmanns abstrakte
Arbeiten um das Prozesshafte: um Zeit und Vergänglichkeit, Werden und Vergehen sowie die existenziellen Fragen unseres Lebens.
Den Kunstturm nutzt die Hamburger Künstlerin, um ihren transformativen Umgang mit dem Material über vier Etagen sichtbar zu machen. Im Foyer begegnen die Besucher:innen den neuesten Arbeiten der Serie. Mit jeder weiteren Etage gewinnen sie tiefere Einblicke in den Entstehungsprozess und nähern sich so den Ursprüngen des Materials. Beim Abstieg entfalten sich die Sequenzen schließlich in ihrer eigentlichen zeitlichen Ordnung.
Hehmann zeigt mit der Ausstellung NEWBEGINNINGS einen exemplarischen Transformationsprozess, der zugleich als Aufforderung verstanden werden kann: vorhandenes Material und unsere endlichen Ressourcen neu zu denken. Nur so werden Neuanfänge möglich bleiben.
Tanja Hehmanns Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Malerei, umfasst aber auch Grafik und Installation. Ein experimenteller, forschender Umgang mit dem jeweiligen Medium geht mit themen- und ortsspezifischen Herangehensweisen zu wissenschaftlichen und existentiellen Fragen zu Raum und Zeit, Geburt und Tod, Eros und Thanatos einher.
Tanja Hehmann zeigte ihre Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. in Venedig (2015), Dänemark (2017) und New York (2018). Im Museum der Arbeit, Hamburg, realisierte sie 2022 in einer Kunst-Wissenschaftausstellung zum Thema des Urknalls eine große begehbare Installation mit 18 bemalten, halbluzenten Siebdruckrahmen als Raum zur Reflexion über das Ende des Universums und die eigene Endlichkeit.
Ein wichtiger Anteil ihrer künstlerischen Tätigkeit sind kollaborative und kuratorische Projekte, in denen sie mit anderen KünstlerInnen und AkteurInnen unterschiedliche Ausstellungsformate realisiert. Sie gründete 2008 bspw. den nachtspeicher23, eine von der Kulturbehörde Hamburg geförderte Off-Galerie in St. Georg, die bis heute ein ambitioniertes Programm auch für überregional und international tätige Künster:innen bestreitet.
In 2017 realisierte sie die von ihr zusammen mit Prof. Dr. Christian Schwanenberger (leitender Teilchenphysiker DESY/ Uni Hamburg) mitinitiierte Ausstellung „dark matter“ samt artmeetsscience-Begleitprogramm am DESY, Hamburg mit 15 KünstlerInnen.
2020 kuratierte sie mit Karin Missy Paule Haenlein die Ausstellung „Und alle Lust...“ im Museum Schloss Agathenburg mit sechs Positionen aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden.
Zuletzt stellte sie im Kunstverein Baden in Österreich mit Petra Gell unter dem Titel DEEP INSIDE aus. Im September 2025 folgt die Ausstellung THE THIRD SPHERE, eine Kollaboration mit Annika Unterburg in der Städtischen Galerie Eichenmüllerhaus in Lemgo, für das die beiden Künstlerinnen auch einen partizipativen Raum zur Einbeziehung des Publikums konzipieren.
Tanja Hehmann, geboren 1974 in Bielefeld, studierte Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei sowie Germanistik an der Universität Paderborn und lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Hamburg. Sie ist u.a. Mitglied des internationalen Frauennetzwerkes SALOON und der Künster:innenhäuser Worpswede.
https://tanjahehmann.com/cv/
Zur Ausstellung soll ein Katalog erscheinen.

Termine

20. März 2026, 19:00 Uhr
Ausstellungseröffnung

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